(Über die Schwelle 2015)

März 2015 (genauer Termin wird noch bekanntgegeben)

Wenn wir geboren werden, überqueren wir die Schwelle zwischen zwei Welten, wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Dasselbe geschieht, wenn wir sterben und diese Welt wieder verlassen.
Aber auch die Schwelle zwischen Schlaf und Wachwelt trennt zwei Bereiche, wie sie verschiedener kaum denkbar sind. Aber wir machen uns dies kaum jemals klar, obwohl wir uns jeden Tag mindestens zweimal von der einen Sphäre in die andere bewegen.
Im Verlauf unseres Lebens wechseln wir mehrmals von einem ganz eigenen Bereiche in einen anderen: von der Welt des Kleinkindes in die des Schulkinds, von der Kindheit in die Pubertät, von dieser ins Erwachsensein, von der Welt der Arbeit in die des Ruhestands. Und jedesmal überschreiten wir eine große Schwelle, oft verbunden mit ganz speziellen Ritualen des Übergangs (Rites of passage).
Auch jeden einzelnen Tag überqueren wir unzählige Schwellen: Innnerhalb der Privatsphäre unserer Wohnung von einem Zimmer ins andere. Durch die Wohnungstür uns Treppenhaus. Vom Haus auf die Straße. Vom öffentlichen Raum der Straße in Geschäfte, wo wir einkaufen.
Wenn wir den Computer einschalten und dazu ein Passwort eingeben, überschreiten wir erneut eine Schwelle – wieder in einen anderen (geistigen) Bereich.
Und wenn wir dann zu schreiben beginnen, ist uns kaum je bewusst, dass auch hierbei eine Schwelle überschritten werden muss: die in die Kreativität. Erst wenn uns nichts einfällt, wenn wir blockiert sind, merken wir, dass wir einen neuen Bereich betreten, dass dieser kreative Raum eigene Gesetzen und Strukturen aufweist, die besondere Fähigkeiten verlangen. Millionen von Analphabeten sind nicht in der Lage, diese Schwelle zu überschreiten. Doch auch unzählige Menschen, welche in der Schule gelernt haben, wie man “die Buchstaben setzt” – sind dennoch kaum in der Lage, einen längeren Text zu verfassen.
Das Überschreiten einer Schwelle zwischen zwei Welten ist auch wesentlicher Bestandteil der Heldenreise : wir bewegen uns dabei von der vertrauten Oberwelt in eine andere Wirklichkeit, die man als Unterwelt oder Anderwelt bezeichnet.
Im Seminar ÜBER DIE SCHWELLE, einem besonders wichtigen Teil des Minutauros Projekts “Roman schreiben”, schauen wir uns schreibend an, was dies bedeutet:
° für die Figuren unseres Roman-Projekts
° wie auch für uns selbst als Autoren.
ÜBER DIE SCHWELLE ist ein Schreib-Wochenende (21. – 23. März 2014) des Minotauros-Projekts. Dieser Jahreskurs folgt dem Verlauf der Heldenreise. Dabei spielt die Metapher des Labyrinths eine wesentliche Rolle: als Zeichen für Unklarheit und Verwirrung vor einem großem Umbruch.

Dies ist das 3. Seminar im Verlauf des Jahres-Kurses Minotauros-Projekt: Roman schreiben . Leitmotiv diesSchreib-Wochenendes ist jene Phase der Heldenreise , bei der es um den Übergang von der vertrauten Oberwelt in eine anders beschaffene, zunächst fremde Unterwelt oder AnderWelt geht.
Diese Grenze wird in vielen Fällen von einer Figur bewacht, die als Hüter der Schwelle oder Schwellenwächter bezeichnet wird. Dieser Wächter muss überwunden werden – durch Überzeugung, Bestechung oder manchmal auch durch Gewalt.
Diese Figur kann jemand in der realen Außenwelt sein – oder eine Innere Figur in der eigenen Persönlichkeit (der Tiefenpsychologe Carl Gustav Jung hat sie als den Schatten bezeichnet). Erst wenn dieses Hindernis überwunden ist, kann die Unterwelt / AnderWelt betreten und die Heldenreise fortgesetzt werden.
Gemäß unserem Verständnis der Heldenreise im Rahmen des kreativen Prozesses beim Schreiben lässt sich diese Schwelle und ihr Hüter

  • sowohl in den im Seminar verfassten Erzählungen
  • als auch in der Entwicklung des Schreibenden selbst nachweisen
  • und manchmal sogar im Verlauf des kreativen Prozesses der gesamten Schreib-Gruppe.

#144 / Letzte Aktualisierung: 20. Februar 2014/14:03

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