Martin Uhlemann: Plagiator meiner „Heldenreise“

Es schmeichelt einem logischerweise, gleich seitenweise beklaut zu werden. Das ist wie mit den kommunizierenden Röhren aus dem Physikunterricht: Während der andere, der Dieb geistigen Eigentums, immer dunkler dasteht, strahlt das eigene Licht des Beklauten in immer hellerem Glanz.

Das evoziert eine Art Déjà-vu: 1972 waren Wolfgang Schmidbauer und ich als Autoren des kurz zuvor erschienenen Handbuch der Rauschdrogen nach Berlin zu einem Kongress des Verbands deutscher Autoren eingeladen, um zu eben diesem Thema Rauschdrogen einen Vortrag zu halten. Irgendwann schlenderten wir durch Berlin und kamen an einem Flohmarkt vorbei. Und was sahen wir da einen Stand mit Büchern? Einen Raubdruck (eines Teils) unsere Buches, billig kopiert und mit einem unscheinbaren schwarzen Umschlag versehen. Erst war ich sauer, weil da jemand mit unserer Arbeit hausieren ging – aber dann kaufte ich das Buch mit dem Gefühl: Große Ehre, raubgedruckt zu werden.
(Raubdrucke kamen damals, im Zuge der Studentenbewegung als das neue „befreiende Ding“ auf. Dass dieses Beklauen die Freiheit anderer, nämlich der Autoren, einschränkte, wurde ignorieret Geklaut wurden jedoch Werke, die man wohl – vor allem für Studenten, als „wichtig“ erachtete.)

Doch zurück zur Gegenwart und zu Martin Uhlemann

dem frechen und zugleich – naja: unklugen -, ja geradezu völlig bescheuerten Plagiator.

° Frech, weil er einfach nimmt, was er als Frucht der Arbeit eines anderen im Internet vorfindet.

° Äußerst unklug, weil er meint, dass bei seinem Diebstahl nicht erwischt wird. Aber wir befinden uns nicht mehr in den 70er Jahren, wo es unmöglich war, die Erzeuger eines Raubdrucks dingfest zu machen – wir befinden uns im Jahr 2016 und in den Zeiten des Internet, wo sich alles mit rasender Geschwindigkeit ausbreitet.

° Geradezu total bescheuert ist es aber, nicht nur hier und da einen Satz oder meinetwegen auch ganze Absätze „auszuleihen“, ohne den wahren Urheber zu benennen – sondern sage und schreibe komplette neun Seiten, in einem Rutsch. Man kann das in einer WORD-Datei ja leicht überprüfen. Geklaut hat mir Herr Uhlemann exakt:
 

9 Seiten mit 154 Absätze in 407 Zeilen – das sind 3.517 Wörter mit 20.033 Zeichen (23.616 Buchstaben mit Leerzeichen).

Der Plagiator hat sich lediglich die Mühe gemacht, einige Zeilen aus meinem Text am Anfang zu entfernen. Auch meinen Tippfehler „Befürfnissen“ korrigiert er noch zu „Bedürfnisse“. Aber danach sind ihm solche Korrekturen offenbar lästig. So übersieht er das von mir vergessene Leerzeichen in „s.übernächster“ und er merkt nicht meinen Tippfehler im Namen von „Luke Skywaker“ – der natürlich „Luke Skywalker“ heißen müsste.

Später im Text war er auch noch zu faul, solche persönliche Sätze wie „Ich…“ zu entfernen. Er ließ sogar diesen Satz stehen, in dem das Wort YRRHINTOS vorkommt – ein von mir erfundenes Kunstwort, das – wie man mit einer Google-Recherche leicht feststellen kann – im gesamten Internet nur von mir verwendet wird und von sonst niemandem (außer natürlich jetzt von Herrn Uhlemann in seinem Handout):
 

  – eigentlich ein Irrgarten, ein #YRRINTHOS“

 
Auch den Begriff Labyrinthiade benütze im gesamten Internet nur ich in verschiedenen Texten – und konsequenterweise Herr Uhlemann:

Oder, drittes Beispiel: Ich verwende statt dem in Studien zur Heldenreise üblichen Terminus Unterwelt alternierend den Terminus AnderWelt – mit der BinnenVersalie, dem groß geschriebenen W in der Mitte des Wortes. Auch das wurde gedankenlos kopiert:
 

Man könnte es auch AnderWelt nennen, was ich vorziehe.

Man beachte, dass Herr Uhlemann mein „ich“ übernimmt – ohne zu merken, was er da macht.

Ich hatte, den Regeln der Rechtschreibreform folgend, alle „daß“ durch „dass“ ersetzt – nur an einer Stelle nicht. Aber Herr Uhlemann übersieht in seinem Eifer des Kopieren auch dies und übernimmt gedankenlos meinen Fehler „Daß [da etwas zur Verwirklichung drängt]“

Es überrascht dann auch nicht mehr, dass der Plagiator meine ausführlichen Quellenangaben mit acht Buchtiteln weglässt – und meinen eigenen Copyright-Vermerk gleich darunter natürlich ebenfalls:

(c) 2016-04-19 / 2003 Jürgen vom Scheidt / Quelle: http://www.hyperwriting.de
 

Wie habe ich von diesem Plagiat erfahren?

Nach einem Seminar von Herrn Uhlemann haben mir unabhängig voneinander zwei offenkundig unzufriedene Teilnehmer empört mitgeteilt (einer telefonisch, einer per E-Mail), dass der Seminarleiter ein Handout verteilt habe, das „eins zu eins“ von meiner Website kopiert sei und mich nicht als Urheber benennt. Kurz darauf hatte ich eine Kopie des Handouts, das mindestens zweimal verteilt wurde:
° am 26. September 2014 in Langenfeld
° und im Dezember 2015 in Kressbronn.
Offenbar haben diese beiden Whistleblower (vielen Dank!) im Internet zum Thema des Seminars, nämlich „Heldenreise“, gegoogelt und sind dann gleich auf meine Website gestoßen und zu einem meiner Beiträge zu diesem Thema: HELDENREISE: Dramaturgisches Konzept aus der Mythenforschung

 

Was macht man in so einem Fall als der Bestohlene und Geschädigte?

Als Psychologe dachte ich natürlich sofort daran, dass hier jemand in großer intellektueller Not sich woanders bedienen musste, weil die eigenen Fähigkeiten nicht dazu ausreichen, so einen Artikel selbst zu schreiben (ein ganzes Seminar über das Thema Heldenreise zu halten, dafür reicht es aber offenbar schon, oder?).
Voller Verständnis für diese vermutete Notlage bot ich dem Mann einen Deal an: Ich schreibe ihm eine Rechnung (die er sogar beim Finanzamt als Kosten geltend machen könnte) und er nennt mich als Urheber – und damit ist die Sache vom Tisch. Er möge mir doch ein Angebot machen.
Dieses Angebot kam nie bei mir an, auch sonst keine Reaktion auf mein Schreiben. Also schrieb ich einen zweiten, schon etwas schärferen Brief samt Rechnung, diesmal „per Einschreiben“. Aber dieser Brief kam ungeöffnet zurück.
Wie uneinsichtig kann man sein, so ein Entgegenkommen nicht anzunehmen oder wenigstens in eine Verhandlung einzutreten?

Also nun die dritte Phase: An den Pranger mit diesem Herrn und seiner unverschämten Klauerei.

Warum gehe ich nicht zum Anwalt, werden hier manche einwenden? Nun, ich habe mich von einem sehr renommierten und versierten Anwalt für Urheberrecht beraten lassen. Er würde das Mandat sofort übernehmen und die Chancen, zu gewinnen, hat er als gut eingeschätzt. Das Plagiat (s. oben) ist zu eindeutig. Und das Beweismaterial und die Zeugen sind ebenfalls vorhanden.

Aber es fallen bereits in der ersten Instanz Kosten für den eigenen Anwalt plus Gerichtskosten an, von der vergeudeten Lebenszeit und dem ganzen Ärger mal ganz abgesehen. Und was ist, wenn man den Prozess gewinnt – der Beklagte aber insolvent ist? Kann ja sein. Bei jemandem, der so verzweifelt ist, dass er sich so aus dem Internet „bedient“, ist alles möglich.
Und wenn der Beklagte dann auch noch meint, in zweiter Instanz den Prozess doch noch gewinnen zu können? Horribile dictu.

Herr Uhlemann hat übrigens nicht nur meinen Text geklaut, sondern auch eine Zeichnung, die ich eigens anfertigen ließ und so nur von mir zum Thema zur Illustration des Themas „Heldenreise“ verwendet wird. Man kann die Grafik leicht finden, wenn man „Heldenreise“ googelt und „Bilder zur Heldenreise“ anklickt. Die Zeichnung befindet sich in der ersten Reihe oben rechts:

https://www.google.de/search?q=heldenreise&biw=1760&bih=888&tbm=isch&tbo=u&source=univ&sa=X&sqi=2&ved=0ahUKEwjB_7eU6_nMAhWMD8AKHQJgBcIQsAQIRw
 

Aber so einfach davonkommen lassen, möchte ich den Plagiator nicht

Und deshalb stelle ich ihn hier in aller (Internet-)Öffentlichkeit an den Pranger. Die URL dieses Beitrags ist von mir bewusst so formuliert, dass jeder, der in Zukunft den Namen „Martin Uhlemann“ googelt – diesen Beitrag finden kann. Da es sich um einen Tatsachenbehauptung handelt, darf ich den Namen des Plagiators ungeniert nennen.

Ich genieße jedenfalls die Ehre, in solchem Umfang plagiiert worden zu sein.

Danke, Herr Uhlemann!
 

Zur Abrundung…

… hier noch ein passendes Zitat aus dem Wirtschafts-Magazin brand eins
 

Das prangert der Internet-Vordenker Jaron Lanier in seinem Manifest „You are not a gadget“ an. Er beschreibt darin die Gefahren, die aus der Verzahnung von Rationalisierung und Ästhetisierung erwachsen. Sie führen den Trott des Industriezeitalters fort unter Behauptung falscher Tatsachen – der Originalität und des Kreativen. Es gibt nichts Neues. Alle leben von der Substanz. Folgerichtig herrscht der Geist von Copy & Paste, bei Gadgets und Doktorarbeiten, im Privatleben und im Beruf. Nachmachen ist alles. Probleme lösen ist doof – man kann sie doch auch verwalten. Das ist der Geist der Kopie, des Stillstands, eines geklauten Lebens. Ein Selbstbetrug. (Lotter 2014)


Quellen:
Campbell, Joseph.: Der Heros in tausend Gestalten. (The Hero with a Thaosand Faces _ New York 1949, Bollingen Foundation) Frankfurt am Main 1978 (Suhrkamp) / Insel, Frankfurt; Auflage: 4., Aufl. (19. April 2007).
Lotter, Wolf: „Die Falschen und das Echte“. In: brand eins Nr. 01/2014, S. 50.
Scheidt, Jürgen vom: HELDENREISE: Dramaturgisches Konzept aus der Mythenforschung. In Details.
Vogler, Christopher: Die Odyssee des Drehbuchschreibers (The Writers Journey). (1998) Frankfurt am Main 1998 (Zweitausendeins).

Publiziert: 28. Juli 2016/14:05 / v 1,0